Die Idee zu diesem Artikel kam mir beim Lesen einer absolut empfehlenswerten Lektüre. Das Buch „Die Regeln: Kodex für Radsportjünger“ befasst sich in humorvoller und dennoch ernster Art und Weise mit dem Rennradsport. Der Autor erklärt in über 90 Regeln alles, was es beim Rennradfahren zu beachten gilt. Darunter einige vollkommen selbstverständliche Regel wie #11 „Nicht die Familie kommt an erster Stelle. Es ist das Rad. Aber auch andere nicht ganz so offensichtliche Vorschriften wie #56 „Nur Espresso oder Macchiato.“ finden Beachtung und werden ausführlich erklärt.
Weiterhin zeichnet das Buch eine unmissverständliche Anleitung zur Wahl und zum Styling des richtigen Outfits: #37 „Die Bügel der Radbrille sollten stets über den Gurten des Helms sitzen.“ Genau dieser Passus und die regelmäßige Zurschaustellung abenteuerlichster Mountainbike-Kleidungsexperimenten in Europas Bikeparks und Trailgebieten haben mich zum Schreiben dieses extrem ernsten Artikels veranlasst. Die Popcorn-Maschine läuft.
Der ultimative Mountainbike-Styleguide
Jedes Kind weiß: es nicht wichtig, dass man etwas gut kann, es ist nur wichtig, dass man dabei gut aussieht. Dies bezieht sich natürlich nicht nur auf das normale Leben, sondern auch, und zwar umso mehr aufs Mountainbiken. Wie hinlänglich bekannt ist, verbringt jeder vernünftige Mountainbiker weit mehr Zeit beim Kaffeestopp, in Liftschlangen, im Shuttle, auf Social Media, beim Apéro oder im MTB-News Forum, als wirklich auf Trails unterwegs zu sein.

Dementsprechend ist es für die Vermarktung des eigenen Egos also eigentlich gar nicht wichtig, ob die letzte Kurve Hardcore geshralpt wurde, ihr einen neuen Strava-KOM geholt habt oder mit einem fetten Tabletop über den großen Zielsprung gesegelt seid. Viel wichtiger ist stattdessen, dass ihr extrem gut und professionell ausseht, wenn ihr am Tresen lehnt. Fake it till you make it. Die Storys über euren krassen Ride fallen euch dann beim dritten Bier ohnehin von ganz alleine wieder ein. Diese könnt ihr dann entweder direkt vor Ort zum Besten gegeben oder besser direkt mit den Weiten des World Wide Webs teilen. Wenn ihr so ausseht und so redet wie ein krasser Shredder, seid ihr auch einer – Punkt.
Doch was gilt es zu beachten, welche Style-Regeln sind bindend und was sind die absoluten Todsünden der Mountainbike-Fashion? Wir haben 13 Punkte zusammengetragen, die euch optisch vom Larry zum Pro machen.
Das Twat-Gap
Eine der häufigsten und gleichzeitig schlimmsten Verfehlungen in der Mountainbike-Community ist das Twat-Gap. Als Twat-Gap wird das Aufblitzen eines kleinen Streifens Oberschenkel-Haut zwischen Knieschützern und der kurzen Hosen bezeichnet. Ein absolutes No-Go. Stellt sicher, dass eure Shorts und eure Knieschützer lang genug sind, damit eure Oberschenkel in jedwedem erdenklichen Szenario bedeckt sind!

Ellenbogenschützer erfordern ein Langarm-Trikot
Wer seine Ellenbogen schützen will, sollte zwangsläufig auf Langarmtrikots oder zumindest 3⁄4-Arm-Shirts setzen. Ein Kurzarmtrikot kann hingegen nie mit Ellenbogenschützern kombiniert werden. Hier ist die Gefahr für eine Twatgap am Arm zu hoch, außerdem sieht es deutlich besser aus, wenn der Ellenbogenschützer komplett verdeckt ist. Ein Tragen der Ellenbogenschützer über dem Trikot ist selbstverständlich auch in keiner Weise statthaft.

Die Sockenlänge
Auch die Sockenlänge bietet viel Raum für Fehler. Der schlimmste anzunehmende Fall vorweg: Knöchel und Sneaker-Söckchen sind absolut verboten! Eure Socken sollten mindestens zehn Zentimeter über euren Knöchel hinwegreichen.
Doch auch das andere Extrem ist nicht statthaft. Reichen eure Socken bis oder über die Knieschützer hinweg, gibt es ebenfalls einen Verweis. Was am Oberschenkel als Twat Gap verpönt ist, ist an der Wade essenziell: Zwischen Knieschützer und Socken muss Haut zu sehen sein. Achtet überdies darauf, dass dieser Hautstreifen nicht zu schmal ausfällt. Ergo: Wenn ihr euer Bein komplett bedecken wollt, greift ihr zur langen Hose und nicht zum langen Socken.
Knieschützer an die Knie, nicht an die Waden
Ein oft gesehener Fauxpas beim Afterride-Bier, im Shuttle oder im Uphill sind herunter geschobenen Knieschützer. Das sieht nicht nur absolut fragwürdig aus, sondern sorgt auch für eine nicht notwendige Verschleppung des Tagesablaufs. Wenn am Start jedes Downhills erst die Schützer gerichtet werden müssen, kommt man einfach nicht voran. Gleiches gilt selbstverständlich auch für das komplett Ausziehen der Schoner und deren Befestigung am Rucksack, Lenker oder ähnlichem.
Wenn eure Knieschützer so unbequem oder schlecht belüftet sind, dass ihr sie nicht den ganzen Tag lang tragen könnt – kauft euch neue. Ich habe gute Erfahrungen mit den 7idp Sam Hill, den Troy Lee Stage oder den iXS Flow Lite aus unserem Knieschützer Vergleichstest gemacht. Aber auch die Alpina Flowpads (Alpina Flowpad Test) eignen sich perfekt für lange Tage im Sattel.

Stell dein Visier nach oben
Ein kleines, aber feines Styling-Detail ist das Helmvisier. Auch wenn man argumentieren könnte, dass die richtige Einstellung des Helmvisiers absolute Erbsenzählerei ist, muss ich widersprechen. Ein falsch eingestelltes Helmvisier hat die Macht, ein ganzes Outfit in den Dreck zu ziehen. Das richtige Setting zu finden, ist allerdings gar nicht so schwierig. Es ist nie die unterste Position! Egal, wie die Sonne steht. Dieses Setting wird niemals benutzt. Bei den meisten Helmen sieht eine Einstellung bei etwa 2⁄3 des Verstellbereichs stimmig aus. Am besten einfach vor dem Spiegel durchprobieren.
Gänzlich ohne Visier ist natürlich strengstens untersagt.
Color-Blocking steht dir nicht!
Richtig gehört! Verschiedenste Farben zu kombinieren, könnte gut aussehen. Tut es aber nicht. Also Schluss mit dem Dasein als Kanarienvogel. Damit möchte ich Farben gar nicht kategorisch ausschließen, allerdings solltest du dich pro Outfit auf lediglich eine Farbe konzentrieren. Am besten eignet sich dafür ein farbiges Trikot, das zusammen mit ansonsten schwarzen Bekleidungsutensilien ein rundes Gesamtbild abgibt. Was uns zum nächsten Punkt führt.

Die Farbe der Farben ist Schwarz
Schwarz lässt sich problemlos mit allem kombinieren und sieht wirklich in jeder Situation gut aus. Dementsprechend sollten eure Helme, Brillen, Socken, Rucksäcke, Hipbags, Knieschützer, Regenjacken und die meisten Hosen schwarz sein. Optional kann bei Helm und Brille auch zu Weiß gegriffen werden. Bei den Schuhen sieht das Ganze hingegen nicht ganz so strikt aus. Hier können auch gedeckte Farben wie Grau oder Braun gut aussehen.
Neongelb ist verboten
Eine sehr einfache, aber dennoch extrem wichtige Regel: Neongelb und auch anderen Neonfarben sind unverzüglich aus dem Kleiderschrank zu verbannen.
Wirf die Regenhülle von deinem Rucksack weg
Wir haben 30 Grad, die Sonne scheint, der Himmel ist blau und zack: ein Mountainbiker kommt mit seiner neongelben Regenhülle über dem Rucksack um die Ecke gefahren. Hört sich surreal an, ist es aber leider nicht. Regenhüllen sind für Regen. Nicht für leichtes Nieseln, nicht für einen kurzen Schauer und schon gar nicht für „eventuell könnte es nachher ja ganz vielleicht noch mal regnen“. In 90 % der Fälle, wenn du dir überlegst, die Regenhülle über den Rucksack zu ziehen – lass es. Am besten aber lässt du den Rucksack gleich komplett zu Hause.

Fullfacehelm + normale Brille = Gefängnis
Wenn jemand es wagt, einen Fullfacehelm mit normaler Brille zu tragen, läuten bei der Style-Polizei alle Alarm-Glocken. Viel schlimmer wird es nicht. Ein Fullfacehelm muss immer mit Goggle getragen werden. Auch Convertibles mit abnehmbarem Kinnbügel bilden hier keine Ausnahme! Der Komplettverzicht auf einen Augenschutz ist natürlich ebenfalls Tabu. Wer einen Fullfacehelm besitzt, benötigt zwangsweise eine Goggle.

Protektoren gehören in der Regel unter das Trikot
In Bikeparks wird dieses Style-Malheur bedauerlicherweise im Akkord begangen. Protektorenjacken, die über dem Trikot als äußere Schicht getragen werden, gehen gar nicht. Baselayer, Protektorenjacke, Trikot: Das ist die einzig richtige Reihenfolge. Einzige Ausnahme: die aus dem Motocross bekannten Brust- und Rücken-Protektoren ohne Schulter- oder Ellenbogenschutz können sowohl unter als auch über dem Trikot getragen werden.
Ebenfalls aus der Kategorie Bikepark-Horror und selbstverständlich unverzeihlich ist es, ausschließlich ein Protektorenshirt als Bekleidung zu tragen.

Halstücher sind im Sommer Tabu
Halstücher sind dafür da, den Hals vor Kälte zu schützen und haben dementsprechend im Hochsommer absolut nichts verloren. Wenn das Thermometer fällt, sieht das natürlich anders aus, aber auch dann solltet ihr sicherstellen, dass euer Halstuch schwarz ist und euren Hals komplett bedeckt. Blitzt zwischen dem Halstuch und Trikot oder Jacke noch Haut auf, wird dies von den Ordnungshütern rigoros sanktioniert.

Lange Unterwäsche mit kurzer Hose
Wenn es im Winter richtig kalt wird, ist der Griff zu langer Unterwäsche auch an den Beinen allzu verständlich. Allerdings ist es keine Option lange Unterwäsche mit einer kurzen Hose zu kombinieren. Kauft euch stattdessen einfach eine lange Hose.

Was ist deiner Meinung nach der schlimmste Style-Fauxpas auf dem Mountainbike?
15 Kommentare
» Alle Kommentare im ForumMuahahahaha!
Es bleibt die Frage, wen es interessiert, oder besser zu interessieren hat, wie jemand anders sich kleidet, wenn er seinem Hobby nachgeht.
Das Thema Sockenlänge wurde kurz gestreift. Viel wichtiger ist aber das Thema Sockenstyle.

Hier sollte der modebewusste Baiger von Welt immer eine Auswahl vorrätig halten.
Um auf kurzfristige Trends reagieren zu können.
Wunderbar, super Artikel.
Die Klamotten finde ich nicht so schlimm, aber der Pornobalken geht gar nicht!
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